Sonntag, 20. August 2017

Tasche nähen. FO und Fazit: Schnabelina Bag.

Nachdem die graue Arya-Tasche recht bald schon weiterverschenkt war, dachte ich lange über eine Alternative nach. Nochmal nähen möchte ich sie schon, aber zweimal gleich ist doof. Außerdem ist der graue Stoff ausverkauft und nur noch in einem (tollen) gelbstichigen Grün da gewesen. Und dazu fehlt mir noch der passende Futterstoff. Das riecht alles farblich nach Herbst, das kann ich jetzt nicht. Das dauert noch.

Stattdessen habe ich mich an die unter der Nähnetzgemeinde schon bewährte Schnabelina Bag gemacht. Das Schnittmuster ist kostenlos, sehr gut und ausführlich bebildert und erklärt, und die Tasche gibt es in vier Größen von "normal" (xs) bis "Sommerurlaub" (xl). Ich habe mich für "Small" entschieden und bekomme problemlos einen DinA4-Block hinein, angeblich passt sogar ein Aktenordner. Die Tasche eignet sich gut für wilden Mustermix und Getüddel - aber das ist mir im Alltag einfach zu bunt. Ich bin ja keine vierzehn mehr. Daher überlegte ich lange hin und her, wie ich meine Stöffchen "zähmen" könnte.

Ich hatte nämlich - ursprünglich für ein ganz anderes Projekt und daher auch in viel zu geringen Mengen - jeweils 30 cm (statt der geforderten 60 cm) aus der Gütermann Serie Long Island (Rhomb blau und den mit den Vögeln und Insekten) hier liegen. Als Futterstoff erwarb ich noch einen Meter "Sterne" aus der gleichen Serie dazu. Und auf einmal hatte ich rosa Reißverschlüsse, pinkes Gurtband und war dabei, völlig gegen mein normales Farbschema auch noch rosa Paspelband zu nähen... Um etwas Ruhe hineinzubringen und die Tasche etwas eleganter zu machen, habe ich Flicken und Taschen aus dunkelblauem Wildleder hinzugefügt.

Was soll ich sagen - mir gefällt es! Auch wenn die Nähmaschine mit teils vier Lagen Leder doch ordentlich zu kämpfen hatte...
Ich habe den tollen "Zip-It"-Einsatz für das Seitenteil genäht, mit dem sich die ohnehin geräumige Tasche noch einmal vergrößern lässt,...
...und die beiden aufgesetzten Taschen außen.
Innen hat die Tasche nur eine große Reißverschlussinnentasche, das reicht, sonst verheddere ich mich bloß. Was fehlt ist eine Halterung für einen Kugelschreiber. Der wohnt jetzt in der Innentasche, aber nuja. Das ist ungewohnt und unpraktisch.
Den rosa Reißverschluss für Verschluss oben
(muss sein, wegen Taschendieben, neugierigen Babies und persönlicher Schusseligkeit - sonst fällt doch dauernd alles raus!) und Seitenteil hatte ich noch von der Taschennähaktion 2015 übrig. Die Paspel habe ich selbst genäht -ich liebe Paspeln ja. Wirkt gleich alles viel professioneller. Das Gurtband ist neu, und mit 75 cm pro Griff ebenfalls lang genug für bequemes Tragen und über den Kinderwagen hängen. Die Stoffe zu stückeln hat einige Nerven gekostet, aber es ist mir, finde ich, ganz gut geglückt.
Taschenfutter blitzt
hinter der Tasche noch eine Tasche. Sehr praktisch
Innenfutter, Innentasche und alle sichtbaren Taschenfutter sind aus dem Sternchenstoff - davon ist auch noch etwas da.
Der Meinige findet das alles zu mädchenhaft, zu pink und zu bunt. Ich weiß, was er meint, aber das ist mir egal.
Vielleicht mache ich sie noch mal ganz unbunt?

Übrigens habe ich für den Stand diesmal kein aufbügelbares Vlies genommen, sondern Polstervlies, genauer: 3mm starken kaschierten Schaumstoff mit Jersey, den ich aufgenäht statt aufgebügelt habe. Bei 160 cm Breite ist der Preis nicht zu toppen im Vergleich zum Bügelvlies, es ist unwahrscheinlich viel übrig und es gibt einen viel schöneren, festeren Stand. Wenn man kein Problem damit hat, dass das Vlies bis in die Nahtzugabe reicht, wo ich es mit Zickzack festgenäht habe, ist das jedenfalls eine tolle Alternative für alles, was ein bisschen Stand benötigt.

Ach ja, was ich noch sagen wollte: ich weiß, das ist schon die zweite Tasche mit Gütermann Stoffen. Ich kriege dafür nix geschenkt, ich habe die Stoffe gekauft, weil sie mir gefallen, und ich nenne die Marke hier, weil ich mich oft auf Bildern in Stoffe verliebe und dann nie weiß, was es ist und wo man das auch kaufen kann. Nix Werbung, nix affiliate, leider.

Donnerstag, 17. August 2017

Taschen nähen. FO und Fazit: Arya von Machwerk. Außerdem: Was eine gute Wickeltasche ausmacht.

Mit der aktuellsten Fassung der geliebten Filztasche habe ich schon länger gehadert.
Aus nicht mehr nachvollziehbaren Gründen hatte ich deutlich stärkeren Filz besorgt, als für die früheren Versionen, und dadurch wurde die Tasche nicht nur schwer zu nähen - das ist ja irgendwann überstanden - sondern auch schwer im Gewicht. Schon ohne irgendeinen Inhalt schleppte man sich dusselig daran. Dazu kam dann irgendwann Junior, durch den ich ganz andere Bedürfnisse an meine Alltagstasche stellen muss. Zum Beispiel ging es nicht so richtig gut, gleichzeitig ein Baby in der Tragehilfe vor dem Bauch zu haben und eine Tasche mit dem Gurt quer zu tragen, wie ich es seit Jahren gewohnt war.
mit etwa 3 Wochen altem Junior vor dem Bauch
Und für das ganz Wickelgedöns und Flaschen und sonstige Geraffel, das man auf einmal zusätzlich mitschleppt, war auch nicht genug Platz. Also musste irgendeine andere Tasche her.

Natürlich haben wir eine "richtige" Wickeltasche, die extra zu diesem Zweck vermarktet wird. Sie ist schlicht und "vätertauglich" in einer Art Indigo-Denim-Imitat und hat einen bequemen breiten Gurt, der lang genug ist, um über den Griff vom Kindewagen zur reichen. Außerdem ein "Feuchtfach", falls man mal nasse Wäsche transportieren muss (enthält Wechselwäsche), Fach mit Feuchttuch-Öffnung (verwenden wir nicht, weil dieses Ding praktischer ist), Flaschen-Isolierdings (noch nie benutzt) und Wickelunterlage (noch nie benutzt). Falls hier also jemand vorbeikommt, um sich über spezielle Wickeltashen zu informieren: Jede ausreichend große "normale" Tasche tut es auch, und sieht im Zweifel netter aus. "Ausreichend groß" mag jeder selbst bestimmen - bei uns muss mein Zeug (Portmonnaie, Schlüssel, Brillenetui, Taschentücher, ggf. Hustenbonbons) reinpassen, am besten in einem eigenen Fach, damit man alles schnell greifen kann. Das extra-Reißverschlussfach für Wechselwäsche, U-Heft etc hat sich auch bewährt. Darüber hinaus reicht uns ein großes Fach für Flaschen, Snacks, Windeletui, Sabberlatz und neuerdings auch Babybesteck. Wahrscheinlich erfüllt jede Laptoptasche diese Eigenschaften, sieht dabei deutlich weniger nach Wickeltasche - so zweckgebunden - aus, und ist im Zweifel sogar günstiger, weil man das ganze unnötige Extrazeug gar nie braucht. (Ernsthaft: Flaschenwärmer? kleine Thermoskanne mit warmem Wasser, Milchpulver abgemessen im Fläschchen, basta.)

Kurzum, wir kommen mit unserer Wickeltasche zwar klar, aber eine schöne Handtasche habe ich dadurch immer noch nicht.
Zum Glück kann ich ja nähen!
(Hier wieder einfügen, dass kaufen fast immer billiger ist und weniger Stress macht, aber... Jodeldiplom! Was eigenes! Unikat! Nur. Für. Mich!!!)

Der erste Versuch entstand schon letztes Jahr im September oder Oktober, wer weiß das schon so genau. Ich war als Patin zu einer Taufe geladen und wollte gut aussehen. Ich entschied mich für eine "richtige", "erwachsene" Handtasche, nämlich die ARYA von Machwerk. Das besondere daran ist der diagonale Reißverschluss, durch den die Öffnung einfach riesig wird und die Tasche schluckt und schluckt Inhalt, ohne jemals voll auszusehen. (Außerdem ist Arya Starck eh am coolsten.) Den Preis für das Schnittmuster finde ich mit 5,50 Euro fair, vor allem angesichts der sehr ausführlichen und idiotensicheren Foto-Anleitung und der Tatsache, dass man drei unterschiedliche Größenvarianten erhält.
Ich entschied mich für die mittlere Größe und eine Stoffkombination in kühlem grau mit blau.
Der Hauptstoff ist ein fester Kunstfaserstoff, wie dickes Flanell, trotzdem weich fallend. Die beiden Kombistoffe sind von Gütermann aus der Serie Fenton House.
die beiden rechten Stoffe: der mit den Punkten für die Verschlussklappe, der ganz rechts als Futter
Dazu habe ich ein ganz genau passendes blaues Leder bekommen, aus dem die Schlaufen für die D-Ringe, die Griffe und zwei kleine halbkreisförmige Besätze am Außenreißverschluss sind.
Vorn die "Neue", hinten die alte treue Pfaff.
Genäht habe ich ansonsten streng nach Anleitung und kam auch gut klar, dank der (damals) funkelnagelneuen Nähmaschine, mit der Reißverschlüsse, Leder und überhaupt präzises Nähen auf einmal überhaupt kein Hexenwerk mehr sind. Und dank der lustigen Ringe und extralanger Griffe passt auch sie an den Kinderwagen!
Trotzdem würde ich bei einem Nachfolgermodell zwei Sachen ändern: zum Einen würde ich auf das Innenfach verzichten und lieber eine große Reißverschlussinnentasche nähen. Und zum anderen würde ich den diagonalen Reißverschluss mit etwas dickerer Raupe und von zwei Seiten zu öffnen wählen. 
Und um es kurz zu machen und die mangelhaften Bilder zu erklären - ich muss und werde eine Folgeversion nähen, denn diese wurde auf der besagten Taufe von der Dienstältesten Freundin mit einem dezenten Hinweis auf ihren nahenden runden Geburtstag bewundert und wohnt nun schon länger nicht mehr hier...
Was die Frage "kaufen oder nähen" angeht:
Preislich ist natürlich kein Limit nach oben. Natürlich können schöne Stoffe viel Geld kosten -müssen aber auch nicht, was aber sich wirklich zusammenläppert sind die ganzen Extrateile... Mit Vlieseline, Einlage und Reißverschlüssen hatte ich ja schon gerechnet, dazu kamen dann noch 4 D-Ringe, 4 Karabiner, Hohlnieten, ggf. Nietenzange, Leder für Henkel, Seil und Lederkleber für Henkel... Natürlich hätten es Stoffhenkel auch getan, es wäre auch ohne das ganze Metall gegangen - aber dann wieder sieht es eben auch besser aus. Und da ich Großpackungen gekauft habe, bin ich für die nächsten Projekte versorgt, dann fällt das nicht mehr so auf. 

Sonntag, 6. August 2017

FO und Fazit: Drei kleine Bären von Little Cotton Rabbit.

Julie Williams hat Bären herausgebracht!
Okay, wer ihrem Blog folgt oder sich in der "Little Cotton Rabbit" Gruppe bei Ravelry herumtreibt, wusste das schon länger. Ich auch. Aber man kommt ja bekanntlich zu nix, und so hänge ich, was das Stricken anderer, nicht-hasiger Tiere angeht, noch um einige Spezies hinterher.
Hasen, ja, Hasen! Auch Elephanten - alles schon gemacht, und das mit großer Freude. Tatsächlich nimmt der Spaß mit jedem weiteren Tier zu, denn auch hier macht Übung den Meister, alles geht beim wiederholten Stricken schneller von der Hand und dabei wird es - das ist das Wundersame - überhaupt nicht langweilig. Im Gegenteil!
Suchtgefahr!
Nun also Bären.
Einen Panda und einen Braunbären habe ich Euch ja schon vorgestellt. Sie sind sofort nach Süddeutschland gezogen, wo sie hoffentlich den Kindern eines sehr alten langjährigen Freundes Freude bereiten. Ich habe noch nichts gehört, aber ich hoffe, das Päckchen kam gut an.
Dann fiel mir auf, dass der arme Junior selber noch kein einziges LCR-Tier hat. Sein Vetter hatte einen Elefanten bekommen,
Bildunterschrift hinzufügen

und seine Cousine einen Hasen

- beide fahren die Ballonlampen im jeweiligen Kinderzimmer (hat meine Schwägerin gleich bei uns kopiert :-D) - und irgendwie sind alle fertigen Tiere immer sofort ausgezogen. Sogar unsere Eierwärmerhasen sind neulich weitergewandert!
Kurzum: es musste noch ein Bär her.
Hier ist er:


Björn ist ein sehr sportlicher Bär und trägt rote Shorts und ein weißes Polo-Shirt zu rot-weißen Sneakern. Er ist freundlich und wurde von Junior schon mehrfach sehr liebevoll in die Nase gebissen.

Einen Hasen brauchen wir natürlich auch... Mal sehen, was noch kommt.

Das Muster:
Ich kaufe nicht unbedingt alle Anleitungen von Julie - meist bringt sie die Tiere als Junge und Mädchen heraus, und die Unterschiede liegen hauptsächlich in den Füßen (Mädchen haben Schuhe und Strümpfe) und der Kleidung. Während ich bei den Hasen noch Junge und Mädchen gekauft habe - nicht zuletzt wegen der unterschiedlichen Fellflecken - wähle ich daher inzwischen hauptsächlich nach Kleidung aus. In diesem Fall habe ich also das Bären-Jungen-Muster genommen, denn ich fand den fair-isle Pullover hübsch. Björns Turnschuhe sind aus der Schuh-Anleitung, die es zum Bärenmuster als Promotion dazu gab. Holla die Waldfee- sieht super aus, aber fisselig beim Zusammennähen!
Für das Panda-Mädchen habe ich einfach die Beine vom Fuchs-Mädchen mit den kurzen Söckchen benutzt (ja, das liegt hier schon bereit. Ebenso wie das Lamm-Mädchen...). Als Kleid trägt sie das "Field-of-Flowers" aus der Kleidersammlung.
Bruno ist barfuß und trägt "normale" Shorts, wie eigentlich alle Jungs-Tiere von Julie. Allerdings hat er die rote Strickjacke aus der Pulloversammlung an, die eigentlich Aiweiwei zum Kleid tragen sollte - aber ich hatte schlicht keine Zeit mehr, ihm noch einen eigenen Pulli zu stricken und sie wäre damit "overdressed" gewesen...
Technik:
Wie immer keine schwierigen Techniken, aber kleine Teile zusammennähen - das darf einen nicht abschrecken. Ansonsten ist ja alles immer gut bebildert und erklärt, und Übung macht den Meister. Beim dritten Bären ging es alles schon ganz flott von der Hand.
Die Wolle: 
Anders als sonst habe ich alle Bären in meiner geliebten Cool Wool gestrickt. Da waren einfach alle Farben vorrätig, sie ist weich und als Superwash-Garn auch maschinenwaschbar. Perfekt!

Änderungen:
Alles streng nach Anleitung, nur das Poloshirt für Bruno habe ich improvisiert - aufbauend auf dem Top-Down-Cardigan. Alles in glatt rechts stricken, kurze Ärmel sind 5 Reihen lang, Kragen ebenfalls in Reihe 5 abgekettet. Das Hemd ist etwas groß, aber das trägt man jetzt so.

Die harten Fakten:
Boy bear by Julie Williams
angefangen: Bruno: 30. Mai; Aiweiwei: 13. Juni, Björn: 2. Juli
fertiggestellt: Bruno: 13. Juni; Aiweiwei 28. Juni; Björn: 4. August
Größe/Maße:  Bruno maß 16 cm von den Ohrenspitzen bis zu den Zehen, aber Aiweiwei und Björn sind 17 cm - könnte an den Schuhen liegen.
Nadeln: 2,75 mm
weiteres Material: Stopfnadel/dicke Sticknadel zum Vernähen, Füllwatte, Geduld und Spucke. 
Kosten: Resteverwertung


Sonntag, 18. Juni 2017

Moin. Ahoi. Wimpelketten machen Spaß!

Wenn man davon ausgeht, dass kleine Kinder, Babies sogar, uns Erwachsenen eigentlich nur helfen wollen. Dass sie unsere Anerkennung, Bestätigung, Zuwendung wollen. Dass sie dieses Ziel am besten zu erreichen meinen, indem sie einfach alles nachmachen, was wir tun, und ganz nah dabei sein wollen.
Wenn man sich also dieses immer schön vor Augen hält, geht es eigentlich. Dann kann man auch drüber lachen.
Dauert es halt etwas länger mit dem Staubsaugen, weil jemand ständig ausmacht, Saugkraft verstellt, Kabel einrollt.
Wühlt sich halt noch einer durch die Kiste mit den Stoffresten. Kann man schon mal drauf rumkauen.
Muss man eben aufpassen, wo man seine Schere hinlegt. (Tipp: Hoch!)
Läuft halt einer mit einem Teil des zugeschnittenen, zur Ansicht ausgebreiteten Wimpelkettenarrangemangs davon.
Zieht halt dauernd einer am Kabel vom Bügeleisen - kann man ja auch hochbinden.
Mopst halt einer das bereitgelegte, mittig vorgebügelte Schrägband.
Muss man halt mal warten, bis man auch mal ans Gaspedal der Nähmaschine darf. Mit einem Kind auf den Füssen näht es sich nämlich nicht so gut - aber das geht auch irgendwann wieder weiter. Schließlich muss ja auch einer endlich mal die Kiste mit den Bändern ausräumen aufräumen.
Dauert halt alles ein bisschen länger. Macht doch nix. Ist ein Hobby. Hamwa länger Spaß dabei.
Und insgesamt ist Juniors Wimpelkette dann doch eigentlich sehr schön geworden.
Für die Wimpel habe ich mir aus Pappe eine Schablone gebastelt mit den Maßen 17x20 cm.
man kann sich eine Naht sparen, schneidet dann aber im schrägen Fadenlauf zu. 
Besser: lotrecht von der kurzen Seite aus
Die Stoffe sind größtenteils richtige Reste, aber den bunten Stoff habe ich einfach nie verwendet für das gedachte Projekt. Hier ist er super. Meistens habe ich den Stoff rechts auf rechts gelegt, mit Bleistift und Schablone Wimpel (+NZ) angezeichnet und dann erst genäht, dann auseinandergeschnitten. Ausnahme: die Buchstabenwimpel.
Die meisten meiner Buchstaben sind achsensymmetrisch.
Die Buchstaben habe ich mir hier heruntergeladen, die Grafiken in ein Textdokument eingefügt und dann auf 6,5 cm Höhe formatiert. Im Nachhinein würde ich sagen, dass 5,5 cm besser gewesen wäre, weil ja noch Nahtzugabe wegfällt, aber hey. Nächstes Mal. Nur das "N" musste ich um 180° spiegeln.
Auf Papier ausgedruckt kann man es wunderbar auf Vliesofix durchpausen, dann auf Stoff aufbügeln, ausschneiden, Papier abziehen, auf den Wimpel bügeln. Abstand zur Oberkante waren 5 cm - passt. Mit Zickzack einmal um die Kanten nähen - Stichbreite 2 mm, Stichlänge 0,5 - obwohl das wahrscheinlich auch so halten würde.
Meine Wimpel haben auf beiden Seiten Schrift - erst einmal austüfteln, welche Seiten zueinander gehören, damit es keinen Buchstabensalat gibt. Uff. Alles richtig gemacht.
Genähte Wimpel von links bügeln, wenden, erneut bügeln, ggf. obere Kante begradigen und in die richtige Reihenfolge legen (wenn es eine gibt). Dann so stapeln, dass der letzte Wimpel unten, der erste oben liegt. Schrägband in ausreichender Länge finden - meine 20 Wimpel stoßen oben mit den Kanten aneinander, das muss aber natürlich nicht so sein. Rechts und links habe ich zudem je 60 cm freie Schnur, damit man die Wimpelkette irgendwo anbinden kann. Man könnte aber auch einfach eine Öse einfügen und die Befestigung hindurchziehen - Schnur, Nagel, Kabelbinder, whatever.
Aufhängen. Party feiern (oder Kinderzimmer aufhübschen). Freuen.

Und weil es so schön war und so schnell ging, habe ich den bei der Geschäftsauflösung des Innenausstatters günstig erworbenen Mustercoupon  auch gleich verwimpelt.
Diesmal einfach nur links auf links gesteppt und mit der Zackenschere nachgearbeitet.
Sommerfeste! Grillabende!


Mittwoch, 14. Juni 2017

Bloggen und Babies.

Ich verstehe es nicht.

Das Netz ist voller Mutti-Blogs, die nach der Geburt der Zwillinge mit dem Bloggen angefangen haben und lustig die ganze Kleinkindzeit hindurch täglich, oder zumindest mehrmals wöchentlich ordentlich bebilderten Content liefern.
Wie machen die das?

Nähere ich mich dem Rechner, um auch nur eine Online-Windelbestellung durchzuführen, erhebt Junior lautstarken Protest. Was die freibleibende Freizeit angeht, bin ich froh, dass ich allerlei Projekte (meist für ihn) erledigen kann, aber diese dekorativ abzufotografieren, zu bebloggen und einzustellen, dafür reicht es irgendwie nicht.
So habt Ihr nicht gesehen, wie ich Junior zu seinem Geburtstag eine schicke große "1" auf sein neues (gekauftes) Geburtstags-T-Shirt appliziert habe - aber dazu gibt es ja auch Tutorials zuhauf, ihr könnt es Euch denken.
Dito die Geburtstagskrone!
Oder die tolle Wimpelkette.
Zwei Wimpelketten!
Papierboot-Origami aus Stoff!
Eine Taufkerze!
Eine Schirmmütze für Junior, mit der er aussieht wie Michel. Oder ein Trotzkist. Die Meinungen gehen auseinander, aber niedlich! (Nach dem Schnitt "Henriette" von Millimugg.)(Die muss ich Euch noch zeigen. Ich finde sie sooo toll! Außerdem habe ich tausend Änderungen gemacht, die ich notieren muss, solange ich noch weiß, was zu beachten war und warum...)
Ein leichterer Sonnenhut/Südwester, ebenfalls für Junior, nach dem Sonnenschein-Schnitt von Schnabelina!
Zwei neue Hosen aus zwei alten Hosen von mir! (Mal wieder die Näähglück-Hose, inzwischen schon Größe 86...)
Meine neue Handtasche, die inzwischen allerdings die älteste Studienfreundin besitzt, weil sie ihr so gut gefiel und ich mir ja jederzeit *hust' eine neue nähen kann...

Ich komme einfach nicht hinterher.
Insofern verliert dieses Blog ein klein bisschen seine Berechtigung, denn schließlich soll es ja alle diese und weitere Projekte dokumentieren und vielleicht für andere den Prozess nachvollziehbar machen. Ein paar Links um die Ohren knallen und unbewiesene Behauptungen aufstellen, dass ich das irgendwie gemacht habe, das kann jeder. Und das machen auch genug Leute.
Aber deshalb gleich aufgeben?
Noch nicht.
Ein paar Sachen kann ich sicher bald noch nachliefern. Die interessanteren vielleicht, bei denen man im Vergleich zu den anderen Pinterest-Links noch etwas Neues erfährt.
Ich bleibe dran.
Nur eben unregelmäßig.
So. Junior klaut meine Webbänder.
In diesem Sinne, schönen Tach noch -
Eure Projektmanagerin.

Sonntag, 11. Juni 2017

FO und Fazit: Childhood Memories.

Das fertige Tuch ist nun schon eine ganze Weile fertig.
Es ist gewaschen, geblockt und fotografiert.
Nur getragen ist es noch nicht - zum einen, weil es zur Zeit nicht wirklich Temperaturen sind, bei denen ich mit einem Schal/Tuch durch die Gegend laufe.
Und zum anderen, weil es dann doch, wieder einmal, kleiner war als erwartet.
Dabei strickt und strickt und strickt man endlose Reihen. Stundenlang. Tagelang. Wochenlang.
Und tatsächlich misst das Ding dann auch von Spitze zu Spitze etwa 2 Meter - aber in diesem Fall hier ist der Winkel des Dreiecks eben so flach, dass man sich in das Tuch nicht richtig einhüllen kann, wie ich dachte,
sondern es sich allenfalls wie ein warmes Bandana in den Mantelausschnitt stopfen kann.
Dabei wird es aber sicherlich eine gute Figur machen. Wahrscheinlich ist es sogar am besten so, denn so werde ich es auch am wahrscheinlichsten tragen und so wird es am besten wirken.
Aber irgendwie hatte ich nach etwa 8 Wochen Strickerei etwas Größeres erwartet. Warum eigentlich?
Das Muster jedenfalls gefällt mir immer noch sehr gut. Ein (flaches) Dreieckstuch, das im schrägen Musterlauf (on the bias) gestrickt wird und sich beliebig vergrößern oder verkleinern ließe, wenn man denn -on the bias- genug Geometriekenntnisse hat um unterwegs festzustellen, wie groß es denn wohl werden würde. Es gliedert sich in drei Teile. Teil eins ist kraus rechts mit einem hübschen und effektvollen Hebemaschenmuster. Teil 2 besteht aus einer klaren, geometrischen Partie mit gelochten Rauten aus verschränkten Maschen. Teil 3 ist eine Abschlußkante in kraus-rechts mit Picot-Abschluss. Mir gefällt die strenge, wenig romantisch-verspielte Optik, denn mit Accessoires aus blumigen Lacemustern kann ich im Alltag wenig anfangen. Die Anleitung ist als PDF-Dokument bei Ravelry erhältlich und kostet stattliche 5 Euro plus, ist aber gut beschrieben mit Text, Bildern und Grafiken. 
Die Technik ist vielleicht nicht unbedingt für blutige Anfänger, aber für ein Lace-Tuch durchaus auf der einfachen Seite. Kraus-rechts bzw. kraus-rechts mit Hebemaschen sollte jeder hinbekommen, der oder die zählen kann. Der eigentliche Musterteil erschließt sich recht bald auf der Nadel, verlangt aber auch nur ab und zu mal verschränkte Maschen und gerichtete Zu-und Abnahmen.
Die Formung der großen Löcher hätte vielleicht etwas intuitiver erklärt werden können - ein doppelter Umschlag wird fallen gelassen, und neue Maschen werden geholt - aber wenn man es einmal begriffen hat, geht es eigentlich. Allerdings sind auch die Rückreihen Musterreihen, also muss man schon ein bisschen aufpassen und mitdenken. Da ich entweder nicht aufgepasst habe oder die Anleitung einen Fehler enthielt, hat sich mir allerdings gleich zu Beginn ein Fehler eingeschlichen, den ich in den folgenden Reihen ausmerzen konnte (nicht im Bild) - nämlich bei der Kreuzung der "Karomaschen". Fällt unter "nur Gott ist perfekt" und wurde von mir nicht korrigiert. Der Picot-Abschluss ist hübsch und nützlich und für Menschen, die ihn noch nicht kennen, ordentlich erklärt.
Die Wolle ist von der Hamburger Wollfabrik und bereits seit 2011 hier wohnhaft. Ein Gemisch aus 50% Kaschmir, 35% Wolle und 15% Seide in einem leuchtenden Kirschrot, das ich lange vermieden habe. Jetzt geht es wieder. Es ist gefacht, d.h. drei einzelne Fäden sind unverzwirnt auf Konen gewickelt, so dass man beim Stricken etwas aufpassen muss, immer alle Fädchen zu erwischen, aber nach dem Waschen flufft es wunderbar auf und wird deutlich weicher und dicker. Der Seidenanteil sorgt dabei für genügend "Fall", dass das Muster sich nicht sofort wieder zusammenzieht. Daher hat das Blocken auch gar keinen so großen Unterschied gemacht. Es wäre sogar einfädig verstrickt warm genug für einen leichten Pullover. 
Änderungen habe ich eigentlich nicht vorgenommen. Uneigentlich habe ich allerdings den ersten Teil um 24 Reihen verlängert - zum Glück, sonst wäre das Tuch noch kleiner - und beim Rand habe ich das Hebemaschenmuster wieder aufgenommen. Das wars.

Die harten Fakten:
Childhood Memories by Lisa Hannes
angefangen: 17. März 2017
fertiggestellt: 25. Mai 2017
verbraucht: 163g
Größe/Maße: 206 x 51 cm
Nadeln: Chiaogoo Lace Twist 3,75mm
Maschenprobe: 23 M x 44 R (kraus) (vs. 20x40 in der Anleitung. Das erklärt ja einiges... Vielleicht doch mal eine Maschenprobe ausrechnen?)
weiteres Material: Stopfnadel/dicke Sticknadel zum Vernähen
Kosten: Dank günstigem Einkauf etwa 5,50 Euro für die Wolle und nochmal das Gleiche für die Anleitung.

Donnerstag, 27. April 2017

Übergangsjacke. Janker in Größe 86.

Übergangsjacke ist ja auch so ein deutsches Wort.
Vielleicht sogar ein deutsches Phänomen.
In anderen Sprachen habe ich jedenfalls noch kein Äquivalent gehört.
Aber natürlich ist es sinnvoll, wenn auch Junior nicht nur eine bequeme, krabbeltaugliche Jacke für die tiefen Temperaturen hat, sondern auch für dieses blöde, usselige Aprilwetter, bei dem es in der Sonne schon warm, im Wolkenschatten und im Wind aber doch erst um die 10°C sind.
Die wunderbaren Walkjankerchen aus alten gefilzten Pullovern habe ich leider schon alle verschenkt - und nicht nur das, die entsprechend Beschenkten haben alle inzwischen jüngere Geschwisterchen. Diese Jacken werden daher wohl nicht (rechtzeitig) zu uns zurückkehren.
Das macht aber nichts, denn erstens waren die noch etwa zwei Nummern zu groß, könnten wir also erst nächstes Jahr brauchen. Und zweitens habe ich ja noch mehr Pullover in der Kiste.
Zum Beispiel besaß ich im Winter 2011 eine wunderbare feuerrote Merinostrickjacke mit Zöpfen von P&C in der Damengröße XXL (was wahrscheinlich eine 44 ist). Jedenfalls war sie mir schon lange viel zu klein und zudem an den Ellbogen durchgescheuert und so ging sie den Weg gekaufter Wollsachen in diesem Haushalt - ab in die Waschmaschine zu Filzen.
So geschrumpft waren die Ärmel immer noch zu lang, und die Jacke zu weit - aber Junior konnte sie sogar schon übergangsweise anziehen, um damit durch den Dreck zu kriechen.
Letztes Wochenende nahm ich mir dann endlich einmal das Schnittmuster (Burda kids 9456) vor und habe endlich einen vernünftige Kinderjacke aus dem alten Fetzen gemacht.
Ich wollte meine gefilzte Jacke diesmal nicht auseinanderschneiden - daher habe ich nur die Ärmel gemäß Schnittmuster auf Größe 86 gekürzt. Die Knopfleisten konnten weg. Die Mehrweite im Rücken habe ich zu einer Kellerfalte gelegt und etwa 4 cm tief festgesteppt.
Das Bündchen unten habe ich ebenfalls abgeschnitten und daraus einen Kragen gefertigt. Alles wie gewohnt in Tressenband eingefasst. Die Krageninnennaht versäubert und verziert wieder das karierte Webband. Einen Aufhänger habe ich auch noch gefunden. 
Die fantastischen Münzknöpfe sind aus der Knopfkiste und wahrscheinlich noch von meiner Großmutter - oder noch älter.
Die Ärmel habe ich zum einfacheren Anziehen und Krempeln mit Schlitzen versehen, die nach dem Versäubern per Hand festgenäht sind. 
Dafür gibt es diesmal keine Taschen. Alles in allem das Werk eines Sonntagabends. Was man halt so macht, wenn man NICHT den Tatort sieht. Die Jacke passt prima und steht Junior wunderbar. Muss ja auch nicht immer alles blau sein. Oder norddeutsch.

Montag, 24. April 2017

Spielhose.

Bisher war ja Winter.
Bisher konnte das Kind auch nicht krabbeln.
Seit Junior aber krabbelt, und seit das Wetter besser ist, möchte man ihm ja auch mal etwas Spaß in der freien Natur gönnen.
Eine Matschhose haben wir aber noch nicht im Haus - war einfach bisher nicht nötig.
Für den Übergang - oder besser, zum Spielen im Dreck/Sand, aber wenn es trocken ist - habe ich daher einfach eine Spielhose gebastelt.
Im Internet fand ich eine kostenlose Anleitung für eine Latzhose - hier, es ist die Latzhose "Florian" von "Schnittchen".Der Schnitt besticht durch die wenigen Nähte. Ich habe ihn zwei Nummern größer zugeschnitten und die Beine nochmal um 3 cm verlängert. So kann ich die Hosenbeine einfach unten zunähen und muss dem Noch-Nicht-Läufer keine Krabbelüberschuhe anziehen.
Wenn es zu kurz wird, kann ich wieder auftrennen und umkrempeln oder säumen. Das bewährt sich noch ganz gut.
Der Stoff ist ein Rest teflonbeschichteter Markisenstoff, den ich für die neubezogenen Gartenmöbelkissen vor zwei Jahren benutzt habe. Hatte ich offenbar gar nicht gebloggt. Ups.
Jedenfalls kann der Stoff Dreck ab, sogar etwas Feuchtigkeit - Wasser perlt erstmal ab, aber wenn Junior damit länger durchs nasse Gras robben würde, wäre es natürlich nicht dicht.
Zufälligerweise passte das blaue Vögelchen des lange gehüteten Restes eines Lieblingsstoffes genau zur Hose. Daraus habe ich Junior ein paar Taschen spendiert. Falls er etwas Wichtiges findet - Steine oder Stöckchen oder so. Eine Seitennaht gibt es zwar nicht, aber eine Bügelfalte hilft beim Platzieren.
Erst wollte ich die Hose komplett mit Jersey füttern, habe mich dann aber dagegen entschieden. Auch den Beleg am Latz habe ich weggelassen, stattdessen alle Kanten mit ebenfalls zum Lieblingsstoffrest passenden Schrägband versäubert. Die Träger sind aus breitem Miedergummi, dann braucht es auch keine Verschlüsse. Die stören nur.
Der Gummizug im Rücken wäre wahrscheinlich gar nicht nötig gewesen - wenn er seine normale Kleidung (Strumpfhose, Hose) darunter trägt, rutscht die Hose nicht. 
Als Sandkastenhose bewährt sich das System, vielleicht folgt noch ein zweites Modell.
Eine wasserfeste Matschhose brauchen wir aber trotzdem noch.
Für Regenwetter, Pfützen und nassen Rasen.

Freitag, 14. April 2017

Was nicht passt, wird passend gemacht.

Der schlabbrige Sehr Grüne Pullover hat heute eine neue Passform erhalten.
Ich habe ihn auf links gedreht und -ausgehend von der neubemessenen Armlochgröße- mit deutlich sichtbarem Heftfaden an den Seitennähten, der Achsel und der Ärmelnaht jeweils etwa 4 cm (!) weggenommen. Da die Ärmel von oben eingestrickt wurden, kam ein Heraustrennen nicht in Frage. So schien mir das der einfachste Weg.
Eine kurze Anprobe wurde vom Meinigen abgenickt.
Und dann habe ich knallhart mit der Maschine knapp ausserhalb der Heftnaht in einem Zug drübergenäht -einmal Elastikstich, und zur Sicherheit noch einmal den geschlossenen Overlockstich danebengesetzt.

Und dann weggeschnitten. Um 55g Wolle -mehr als ein Knäuel-  ist er dabei leichter geworden!
Zugegeben, er sitzt jetzt wieder mit, äh, etwas  "negative  ease"... aber  in diesem Fall ist eng tatsächlich besser als ausgeleiert. Und bis zum Herbst sollten die sich abzeichnenden Speckrollen ja weg sein. Sollte ich dann noch einmal ändern müssen/können, werde ich versuchen, innerhalb der Abnäher etwas wegzunehmen, denn die sind jetzt natürlich stark an den Rand gerutscht.
Und weil es so schön einfach war, habe ich vom geliebten lila Pullover auch gleich noch je 2cm entfernt. Sitzt doch gleich alles viel besser. Fühlt man sich doch gleich viel wohler...

(Fotos und Links editiere ich später. Geht am Handy nicht...)
(EDIT: geschehen)
 
 
 

Montag, 3. April 2017

One size fits all. WIP: Childhood Memories.

Du musst auch mal an Dich denken, schallt es mir aus der Kommentarsektion entgegen, und wo Ihr recht habt, habt Ihr recht.
Allerdings bin ich ja dabei, Rüstungen und Panzer abzulegen, und tatsächlich richtig viel abzunehmen. Wer hat da schon Lust, viel Zeit in eine "Zwischengröße" zu investieren? Schlimm genug, dass Junior ruckzuck aus allem rauswächst!
Also ein Tuch.
Das Garn gut abgelagert und rot! Eine Farbe, die ich mehr als vier Jahre gemieden habe. Wie bei der orangen Ärmelkante sitzt irgendwo ein Kunsttherapeut und ist stolz auf mich. (Wahrscheinlich. Wenn er davon wüsste...)
Es ist auch als tuch-tauglich erprobt und wird erwiesenermaßen nach dem Waschen aufflauschen.
Ich verarbeite es in Lace-Stärke mit 3,75 mm Nadeln und komme gut klar.
Die Anleitung gefällt mir auch gut, obwohl ich lange Zeit Vorbehalte gegen Dreieckstücher hatte. Hier nicht.
Das (bisherige) Muster ist simpel, aber effektiv. Ich stehe allerdings kurz vor dem Musterwechsel und freue mich auf die Abwechslung.

EDIT: einige Links ergänzt, Photos bearbeitet und richtig platziert.

Dienstag, 28. März 2017

Bewährungsprobe. Stoker.

Vor drei Jahren brauchte ich eine Rüstung.
Etwas, das ich zwischen mein überempfindliches Ich und die böse kalte Welt stellen konnte.
Aus für mich völlig naheliegenden Gründen hieß das: ein sehr sehr grüner Pullover mit riesigem Rollkragen - Stoker.
Diese Rüstung Diesen Pullover habe ich nun drei Jahre lang sehr gern, seh viel und sehr regelmäßig getragen. Sehr viel und sehr regelmäßig auch deshalb, weil ich eigentlich nur drei (passende) Pullover besitze. Drei Jahre Dauereinsatz hinterlassen natürlich ihre Spuren.
Und so fand ich mich neulich mit spontan aufribbelnden Ärmelbündchen wieder.
Eigentlich nicht überraschend, dass diese Kante als erstes aufgibt. Da ich die Ärmel von oben einstrickt habe, war es aber ein leichtes, die Maschen aufzufangen und die Kante neu zu stricken. Allerdings war die restliche sehr grüne Wolle für diverse andere Projekte draufgegangen.
Macht aber nichts - aus den gleichen für mich völlig naheliegenden Gründen, aus denen der Pullover sehr sehr grün sein musste, wusste ich auch, dass die neue Bündchenkante orange sein würde.
Zum Glück hatte ich noch etwas Sockenwolle da, die ich doppelt nehmen konnte.
Der Meinige ist sich nicht so sicher, aber das ist schon richtig so.

Zum Thema "Bewährung" bleibt noch folgendes zu sagen:
Der Pullover wurde wirklich viel getragen. Dem Garn werfe ich nach wie vor vor, dass es extrem leiert und pillt. Möglicherweise hätte eine festere Strickweise das etwas verbessert, das werde ich nicht mehr herausfinden.
Dennoch: der Pullover wurde wirklich wirklich viel getragen. Es ist daher nicht überraschend, dass die Bündchen durchgewetzt sind. Die Ellbogen werden auch langsam dünn. Und natürlich ist die Farbe nach mehrmaligem Waschen etwas ausgeblichener. Insgesamt hat er sich aber unter den hohen Anforderungen sehr gut bewährt.
Inzwischen ist er auch frisch gewaschen viel zu weit. Möglicherwweise werde ich die Nähte noch einmal enger nähen und damit auch die ausgeleierte Passform verbessern. Aber wahrscheinlicher ist es doch, dass der Pullover den nächsten Winter nicht mehr erleben wird. Oder zumindest nicht als Kleidungstück. Dann hätte ich gerne mal etwas Neues. Etwas, das passt.
Und eine neue Rüstung brauche ich dann hoffentlich auch nicht mehr.

Donnerstag, 16. März 2017

FO und Fazit: Laurits. 2 Versionen, Lessons Learned.

Silvester hatte ich frei. Ohne Baby - ganz alleine - bin ich nach Berlin gefahren und habe ins neue Jahr gefeiert. Statt die babyfreie Zeit "vernünftig" zu nutzen (also früh ins Bett zu gehen und mal richtig auszuschlafen), habe ich wie in der guten alten Zeit ein bißchen angeschwippst um vier Uhr früh den Heimweg angetreten und überhaupt wunderbar viel Zeit mit Erwachsenen verbracht.
Für die Zugfahrt wollte ich aber nicht die damals in Arbeit befindliche Tomtenjacke samt zwei großen Garnkonen einpacken, sondern habe stattdessen als leichtes Reisegestrick etwas Neues angeschlagen.
"Laurits v1"
Das Muster:
Ich entschied mich für den Pullover "Laurits". Die kostenlose Anleitung ist nur auf Englisch, und auch nur in einer Größe (12-18 Monate, ich schätze ihn auf 86-92) bei Ravelry zu finden, kann aber mit etwas Erfahrung leicht in der Größe angepasst werden. "Laurits" wird vom Hals abwärts in zwei Farben gestrickt. Die kraus-rechte Rundpasse in Farbe A lässt sich mit drei Knöpfen an der linken Raglannaht (wenn es eine gäbe...) öffnen. 
Perfekte Knöpfe!

Körper und Ärmel sind in Farbe B gestrickt und weisen krausrechte Streifen in der ersten Farbe auf. Alle Bündchen sind ebenfalls wieder kraus-rechts in der ersten Farbe. 
So weit, so schlicht, so klassisch. Besonders hübsch wirken die Pullover mMn mit einer helleren Farbe A, in jedem Fall sollte ein ausreichender Farbkontrast zwischen den beiden Farben herrschen.

Technik:
Der Pullover verlangt keine schwierigen Strickmanöver: Maschen anschlagen und abketten, Zunahmen (in der Rundpasse) und Abnahmen (am Ärmel). Merkwürdigerweise sollen die Ärmel zuerst gestrickt werden, und zwar flach und später zusammengenäht, obwohl der Rumpf später in Runden gearbeitet wird.
Die Wolle: 
Gestrickt habe ich "Laurits" in der neuen fairalpaka Merinowolle, die hoffentlich als neue "Brot-und-Butter-Wolle" meine geliebte Cool Wool ersetzen ergänzen kann. Ich habe vor, noch eine gesonderte Rezension zu schreiben, nur so viel: zu den testweise georderten Grundfarben grau, weiß und braun haben sich seither noch grün heather, weinrot heather und petrol (ocean) gesellt... alles herrlich leuchtende Farben und wunderbar weich nach dem Waschen.
Die Maschenprobe kam recht gut hin - auf 10 cm gabe es eine Abweichung um 4 Maschen (27 statt 23), aber in der Länge war es perfekt.

Änderungen: 
Ich habe den Pullover insgesamt zweimal gestrickt - einmal für den großen Vetter, der bald seinen ersten Geburtstag feiert, und einmal für Junior, da der Lieblingspullover - trotz Verlängerung - nicht mehr passt. Und auch  die meisten anderen im letzten Jahr vorgefertigten Strickwaren sind inzwischen zu klein... Sie werden so schnell groß! Tatsächlich passt zur Zeit nur noch die hübsche Jasperjacke, und einige Pullunder -was den heiß ersehnten Frühlingstemperaturen aber entgegenkommt.
Die erste Version für den großen Vetter habe ich in grün-heather mit braun gestrickt und bin genau der Anleitung gefolgt, auch wenn ich die Sache mit den flach gestrickten Ärmeln, die zudem vor dem Rumpf gefertigt werden, merkwürdig fand. Irgendwie sah das unter den Armen komisch aus.

Dabei zeigte sich dann auch nach dem Blocken die Abweichung in der Maschenprobe, was aber nur zu einem etwas schmaleren Pullover führt.
Für die zweite Version habe ich daher das Gelernte umgesetzt und folgendes geändert:
1. als Anpassung an die Maschenprobe insgesamt 2 weitere Zunahmerunden (à 16 Zusatzmaschen = +32 Maschen) gestrickt und diese in die letzten Runden der Passe eingefügt,
2. alle Zunahmen in die erste Runde des kraus-rechts-Streifens verlegt - leichter zu merken und unsichtbar
3. erst den Rumpf und dann die Ärmel gestrickt, dabei falsche Seitennähte mit abgehobenen Maschen, die auch den Farbwechsel gut kaschieren,
4. unter den Armen jeweils  8 Maschen angestrickt, 
5. die Ärmel in der Runde gestrickt und dabei in der ersten Ärmelrunde aus den neuen Achselmaschen neue Maschen aufgestrickt 
Die Ärmel sind nach der Trennung 12 Streifen lang (insgesamt 15), der Rumpf 13 (insgesamt 16). Ob das eine Änderung ist, weiß ich nicht, da die Gesamtlänge aus der Anleitung nicht wirklich hervorgeht - es schien mir aber sinnvoll, den Rumpf ein wenig länger zu machen als die Ärmel.
6. bei einem der Pullover habe ich die Knopflochleiste zudem mit Webband unterlegt und die Knopflöcher mit der Maschine genäht. Mir leiern die Knopflochleisten sonst sehr leicht aus, das mag ich nicht.
Mit Webband verstärkte Knopfleiste
Mal sehen, welche Variante sich besser bewährt.
Originalvariante
Dafür hat der andere Pullover ein kleines Stück Webband ums Bündchen genäht, weil es so schön passte und weil ich Möwen mag.

Insgesamt mag ich beide Pullover sehr, bin aber etwas unzufrieden mit der Konstruktion - irgendwie scheint mir die Rundpasse unter den Armen immer etwas enger zu sein als am Saum. Das hat sich durch Waschen und Blocken (und die Änderungen 4. & 5. für die zweite Version) zwar etwas gebessert, aber richtig glücklich bin ich damit trotzdem nicht. Dennoch ein hübscher Pullover, der sicher viel getragen wird.

Die harten Fakten: 
Laurits by Ulla Holst-O 
angefangen:
Version 1: 10.02. 2017
Version 2: 31.12. (bzw. 26.02. 2017)
fertiggestellt:
Version 1: 24.02. 2017
Version 2: 13.03. 2017
Garn:
in braun NFA06, grün heather HF285, weinrot heather HF179 und grau NFA11 
verbraucht:
Version 1: 160 g ( 64 grün, 88 braun, ein kleiner Rest rot für die Knopfleiste)
Version 2: 207 g (100g grau, 100 rot, ein kleiner Rest weiß für die Knopfleiste)
Größe/Maße:
Version 1:
Unterbrust : 26 cm
Saum-Achsel: 20 cm
Saum- Schulter: 32 cm
Ärmelsaum- Achsel: 20 cm
Ärmelsaum- Schulter: 32 cm
Version 2:
Unterbrust : 29-35 cm
Saum-Achsel: 20 cm
Saum- Schulter: 32 cm
Ärmelsaum- Achsel: 20 cm
Ärmelsaum- Schulter: 32 cm
Nadeln:
Chiaogoo Red Lace Twist 3mm und 3,5 mm
Maschenprobe:
27M x 42R = 10x10 cm
weiteres Material: Stopfnadel/dicke Sticknadel zum Vernähen, je 3 Knöpfe, Webband

Kosten
Die Wolle kostet etwa 3,50 EUR/Knäuel, das heißt zwischen 10 und 14 Euro Wollwert plus Knöpfe

Und der Ravelry-Projekt-Link für Version 1 und Version 2.