Montag, 21. April 2014

Jetzt also endlich: Fazit - CustomFit Stoker Pullover.

Nach zwei Monaten Leben im Sehr Sehr Grünen Pullover reiche ich Euch jetzt doch noch das Fazit ein. Immerhin kann ich dank der Verzögerung eine wirklich qualifizierte Aussage über den Tragekomfort sagen. Und natürlich über CustomFit, die Website, die "maßgeschneiderte" Strickanleitungen fabriziert.
Fangen wir da doch gleich an. Fazit heute zu den drei Punkten Anleitung, Wolle, Tragekomfort.
1) Anleitung: CustomFit.Makewearlove.com. Ich finde die Website super. Zum einen natürlich, weil mir der körperpositive Ansatz gefällt. Es ist einfach wahnsinnig erfrischend, sich endlich einmal nicht für irgendein imaginäres oder tatsächlich vorhandenes Speckröllchen beschämen zu lassen, sondern die Aussage zu hören: Du bist in Ordnung. Dein Körper ist in Ordnung. Und jetzt machen wir einen Pullover/Strickjacke (sweater), der zu diesem völlig in Ordnung seienden Körper passt. Und nicht umgekehrt.
Ich fand es auch gut, richtig und wichtig, zur Umsetzung dieser erfrischenden Einstellung den Auftrag zu erhalten, diesem meinem Körper sozusagen einmal richtig in die Augen zu schauen - also ihn genau auszumessen. Einer der Gründe für viele schlecht sitzende Kleidungsstücke ist ja nun einmal, dass man sich selbst in die Tasche lügt bezüglich des eigenen Brust-/Bauch-/Hüftumfangs. Und die Website lässt einen mit dieser schwierigen, vielleicht auch unangenehmen Aufgabe nicht allein.
Die Erstellung des Musters ist ebenfalls intuitiv und einfach, auch wenn man sich (im Moment noch) auf eher "normale" und klassische Entwürfe beschränken muss. Aber so sehen meine Pullover ohnehin aus, insofern passt das schon, kein Nachteil für mich. Es entsteht in wenigen Minuten eine mehrseitige, hübsch ausführliche Anleitung mit Schemazeichnungen, die man nun (theoretisch) einfach nur noch der Reihe nach abarbeiten muss. Dankenswerterweise beschränkt sich der Text dabei nicht nur auf Reihenangaben (x Maschen anschlagen und x Reihen stricken), sondern nennt auch ergänzende Maßzahlen (nach x Reihen/ y Zentimetern), sodass man überprüfen kann, ob man noch halbwegs richtig liegt. Hier lag meine Crux bei meinem Ersten Versuch: meine Maschenprobe (gauge) wich beim Stricken extrem von meiner für die Erstellung der Anleitung gestrickte Maschenprobe ab. So extrem, dass ich beim Zweiten Anlauf aus dem wieder aufgeribbelten Vorder-und Rückenteil ein neues Vorderteil, Rückenteil und einen ganzen Ärmel stricken konnte. Dafür kann aber natürlich CustomFit nichts, wenn ich einen zu kleinen Swatch eingebe und dann später davon abweiche.
Da die tatsächliche Paßform aber vollständig vom Swatch abhängt, fand ich es extrem doof, dass auch mein zweiter "Swatch", der aus den bis dato verstrickten 12 Knäueln Pullover-Erstversuch bestand, nicht zuverlässig war. Das kann auch an der Wolle liegen -dazu gleich- aber ich habe dann einfach mehrfach nachgemessen und so zumindest die Längenmaße auf das "vorgeschriebene" Niveau gebracht. Wofür hat man ein Maßband? Und die Länge ist perfekt! Nie mehr  zuppeln!
Für die Breitenmaße ist das natürlich nicht ganz so einfach. Ich habe daher leider den Eindruck, dass meine "Abnäher" vor allem vorne nicht richtig sitzen. (Dennoch: die Weite ist mein Fehler, weil gauge-Fehler...)
Außerdem konnte die Software nicht mit meinem Design-Extrawunsch umgehen. "Stoker" hat nämlich eigentlich 3/4-Ärmel - weiß der Geier, wer das praktisch findet. Wenn es so kalt ist, dass ich einen warmen Rollkragenpullover anziehe, dann will ich auch lange Ärmel. Aber ich wollte das Rippenbündchen bis zum Ellbogen hochziehen, und das habe ich auch der Software gesagt. Mit dem Ergebnis, dass alle Ärmelabnahmen in dem Stück zwischen Ellbogen und Achselhöhle passieren, was etwas merkwürdig aussieht (wenn man genau hinsieht und sich dafür interessiert. Was niemand tut. Außer mir natürlich). Besser wäre es sicher gewesen, die Abnahmen einfach bis ins Rippenbündchen fortzuführen. Aber egal - jammern auf hohem Niveau. Mir gefällt es trotzdem.
Auch den großen Kragen finde ich super - nach dem ersten Waschen fiel er dann auch endlich schön weich und weit. Möglicherweise hätte ich aber noch lockerer abketten müssen , denn er schlägt sich sozusagen immer nach unten-innen um. (Auch dies kein Software-Problem. Man muss schon noch selber ordentlich stricken!*seufz*)
Alles in allem also: ja, ich würde es wieder tun. Es war sehr angenehm, nie umrechnen zu müssen (nur ab und zu mal nachmessen). Noch nie habe ich in nur 17 Tagen einen Pullover gestrickt. (Hatte aber natürlich auch ungewöhnlich viel Zeit dafür...) Wer selber rechnen kann, müsste das Geld für die Anleitung natürlich nicht ausgeben, aber gerade für die Feinheiten - Platzierung der Abnäher, Beginn Ausschnitt und Armlöcher - fand ich es hilfreich, in eine Anleitung zu gucken. Wenn man dann ein bißchen mehr Erfahrung gesammelt hat, geht es vielleicht irgendwann auch ohne, aber so viel und so schnell stricke ich dann eben doch nicht, dass ich diese Erfahrung schon hätte.
2) Wolle: Wolle Rödel Soft-Merino in supergrün. 
Die Farbe ist immer noch super.
Ansonsten muss ich leider sagen, nach 8 Wochen Dauereinsatz und Leben in diesem Pullover, dass ich nicht zufrieden damit bin, wie schnell sie dann doch anfängt zu pillen und zu leiern. Okay, okay, ich habe eine große Größe gestrickt, und mit 17 Knäuel Wolleinsatz wiegt so ein Pullover dann eben auch, äh, 850 g. Dieses Gewicht zieht nach unten. Aber er leiert. Und pillt. Und ich ärgere mich ein wenig, dass ich nicht ein paar Euro mehr investiert habe für einen Pullover, der meiner Dauerbelastung besser standhält. Wer jetzt sagt, ich hätte fester stricken müssen - ich stimme dem zu. Deshalb hatte ich mich schon von der Banderole gelöst, und statt 4-5mm Nadeln mit 3,75mm Nadeln gestrickt. Vielleicht hat auch das Stricken-Ribbeln-Neustricken dem Faden nicht gut getan. Aber alles in allem bestätigt es mich doch darin, wenn schon nicht zum "Yarnie" zu werden, dann doch künftig lieber mehr Geld für die Wollqualität auszugeben. Wenn ich die denn erkennen kann.
3) Tragekomfort.
Ich sagte es schon: die letzten acht Wochen habe ich in diesem Pullover gelebt. Ich habe ihn eigentlich nur ausgezogen, um ihn zu waschen. (Dadurch bekommt er auch kurzzeitig etwas mehr Form zurück.) Oder zum Schlafen. Zweimal war es zu warm für ihn. Ich  liebe seine Länge, seine Farbe, seinen Stil. Ich liebe diesen Pullover. Ich bin - abgesehen von den o.g. Vorbehalten gegenüber der Wolle - sehr sehr zufrieden damit.


Die harten Fakten:
Stoker Pullover by Caro Sheridan mit Unterstützung von CustomFit


angefangen: 1. Februar 2014
fertiggestellt: 17. Februar 2014


verbraucht:: 17 Knäuel=850g. 
Größe/Maße: meine
Nadeln: Chiaogoo RedTwist 3,75mm Rundstricknadel
weiteres Material: Stopfnadel/dicke Sticknadel zum Vernähen
Kosten: 68 Euro für die Wolle, 10$ für die Anleitung. Passt schon.

Und der Ravelry-Projekt-Link mit allen Einstellungen für CustomFit.

1 Kommentar:

  1. Ich finde den Pulli klasse und auch die weite gefällt mir sehr gut,klasse gemacht!!!
    LG Sonja

    AntwortenLöschen