Donnerstag, 23. November 2017

Auch im Winter draußen sein. FO: Softshell-Hose nach Schnabelina.

Junior lernt laufen.
Junior will raus. Und laufen. Oder krabbeln. Oder im Dreck herumsitzen. 
Oder Bobbycar fahren. Was Kinder mit anderthalb so machen, auf dem Spielplatz. Das Novemberwetter interessiert ihn nicht.
Hier mit Tomten-Kurzmantel eingemummelt
Naja. So ganz stimmt das natürlich nicht. Kalte nasse Erde oder Steine an den Krabbelfingern findet er schon doof. Aber das hindert ihn nicht daran, draußen herumkrabbeln zu wollen oder sich beim Laufen üben immer wieder einmal abzulegen.
Und das ist ja auch alles gut und richtig und vor allem überhaupt kein Problem, wenn man eine Matschhose aus winterwarmen wasserabweisendem Softshell hat.
(Da die Hose quasi sofort und seitdem andauernd im Einsatz war bzw. ist, gibt es nur Bilder "in action". Sorry.)
 
Die Idee habe ich erstmals im Blog von Schnabelina aufgeschnappt und gleich nachgebaut.
Basis ist die Hose vom Jumpsuit (kostenloses Schnittmuster). Ich habe einen dunkelblauen Softshell in Jeans-Optik eine Nummer größer zugeschnitten (Größe 92) und an den äußeren Seitennähten je 3cm zugegeben. Das passt bequem über einen normale Hose. Außerdem habe ich am oberen Bund 2 cm zugegeben und ein extra-breites Bündchen angebracht - 15-20 cm sollten es schon sein, also 30-40 zuschneiden. Nach einigen Wochen im Dienst würde ich die Taille sogar noch höher machen - das Bündchen kann ruhig ganz unter den Achseln sitzen.
(Man kann natürlich auch einfach eine Latzhose nähen, aber das finde ich immer so umständlich beim An- und Ausziehen. Außerdem wollte ich das neue Material erst einmal mit einem kostenlosen Schnittmuster testen.)
 
Die Taschen sind eigentlich nur dekorativ, momentan benutzt er sie jedenfalls noch nicht. Ich habe sie mit weinrotem Bündchenstoff eingefasst und weinrot abgesteppt. Auch alle Nähte sind weinrot in der Nahtzugabe festgesteppt für einen rustikalen Jeanslook. 
Die Nähte sind nicht zusätzlich versiegelt, aber für unser Matschverhalten halten sie dennoch ausreichend dicht - vor einigen Tagen stand Junior in wirklich jeder Pfütze im Umkreis und kam dennoch mit trockenen Füßen heim.
Trockene Füße, da  ich auch hier wieder die Hosenbeine der (noch) zu langen Hose einfach unten zugenäht habe, um mir Schuhe oder Regenstiefel zu sparen. Er hasst Schuhe, und läuft noch nicht genug, um sie ihm aufzuzwingen, wenn er dann bei weiten Strecken ohnehin nur im Wagen sitzt.
 So trägt er Wollsocken oder Hausschuhe im zugenähten Hosenbein und kann gelegentlich wunderbar "barfuß" laufen üben - und hat trotzdem warme, trockene Füße. Perfekt.

Der gröbste Dreck wird nach der Heimkehr in der Badewanne von der Hose geduscht, bis zum nächsten Ausgang ist sie dann wieder trocken und einsatzfähig. Ab und zu kommt sie auch in die Waschmaschine und dort habe ich sie bisher einmal mit einem Spezial Imprägnierwaschmittel imprägniert. Bisher (nach 6 Wochen) ist sie trotz der extra Abnutzung an den Füßen immer noch dicht.
Bis die Hose in der Länge passt und gesäumt werden kann/muss, kann er dann hoffentlich auch gut genug laufen für richtige Regenschuhe...
Jedenfalls: Softshell-Hose? Würde ich wieder machen.

Dienstag, 21. November 2017

FO: Arya Tasche, die zweite.

Nachdem ich meine erste Arya ja verschenkt hatte, war die Schnabelina viel und gut im Gebrauch.
Allerdings ist sie von den Farben her eindeutig, wie soll ich sagen. Pink. Und passt nicht so gut zu meinem Wintermantel. Ich wollte noch eine Tasche in herbstlicheren Farben, und außerdem wollte ich eine eigene Arya.
Zum Glück gab es genau den gleichen Stoff, aus dem ich die erste Version genäht hatte, noch einmal in einem wunderschönen olivgrün. Da habe ich gleich mal zugeschlagen.
Dann hat es allerdings ganz schön lange gedauert, bis ich einen passenden Futter- und Kontraststoff dazu gefunden hatte. Und neue Eisenwaren, denn zu dieser Tasche wollte ich kein blankes Silber, sondern ein mattiertes Altmessing. 
Ein wunderbar rötlich-warmes Leder hatte ich noch - und irgendwann ging dann alles ganz schnell.
Tasche zuschneiden und mit dem bei der Schnabelina bewährten Polstervlies kaschieren - einfach an den Kanten (inkl. Nahtzugabe) mit Zickzack aneinandernähen - und dann "normal" weiterarbeiten.
Die Außentasche habe ich mit zwei Lederstückchen an den Reißverschlussenden verziert, 
die Innentasche ist diesmal auch eine Reißverschlusstasche, das finde ich praktischer.
 Der diagonale Verschluss hat diesmal zwei Reißverschlussfüßchen, sodass ich von der Mitte aus in beider Richtungen öffnen kann - das bewährt sich bereits.
Statt zweier kurzer Henkel gibt es einen langen Schultergurt. Der ist (noch) etwas suboptimal - am besten wäre es wohl gewesen, zwei lange Lederstreifen gegeneinanderzunähen, aber dafür hatte ich nicht genug von dem Leder -auch so ist der Streifen schon gestückelt. Also habe ich von dem 5 cm breiten Streifen bloß die Kanten nach innen genäht, um etwas mehr Stabilität zu erhalten. 
Das reicht aber noch nicht, noch ist der Gurt zu elastisch. Wenn die Tasche eingetragen und der Gurt ausgeleiert ist, werde ich ihn noch einmal kürzen. Und nochmal neue Nieten einschlagen, räusper. Und vielleicht kommen noch kurze Griffe dazu. Mal sehen.
Dazu gibt es noch einen dicke Troddel als Taschenbaumler für den RV außen, und eine zweite Troddel für einen neuen Schlüsselanhänger für mich.
Wenn ich den nicht in der Manteltasche habe oder in der Tasche vergrabe, dann kann ich ihn ebenfalls wie einen Baumler außen an einen der Ringe haken. Mal sehen, was sich im Alltag bewährt.
Ich bin jedenfalls sehr zufrieden mit meiner neuen Tasche! Es geht so unendlich viel rein, ohne dass sie vollgestopft aussieht. Die Farbe ist wunderschön, meine Reißverschlüsse werden immer besser, nur zu meinem -anders grünen- Wintermantel passt diese Tasche auch nicht optimal... Aber das lässt sich bestimmt ändern. Ich habe da schon etwas vorbereitet. 
Projekte, Projekte... sie gehen einem nicht aus.

Dienstag, 24. Oktober 2017

Laufen lernen. Leder nähen.

Ein Kind, das laufen lernt, braucht erstmal keine Schuhe.
Soweit sind sich alle einig: barfuß ist am besten!
Ab jetzt kommen die Ausnahmen, die in unserer modernen Welt so gelten -und die dem Schutz zarter Babyfüßchen vor Scherben, Unrat und allzu kalten Temperaturen dienen.
Dafür gibt es dann Lederpuschen.
Und dafür kann man in Windeseile wirklich erstaunlich viel Geld ausgeben.
Oder an die Kiste mit den Lederresten gehen und das Internet befragen.
Ich habe es, weil ich ja immer alles anders machen muss, mit einem etwas ungewöhnlichen Schnürstiefelprojekt versucht, nämlich den "Modern DIY Leather Baby Boy Boots" - einer kostenlosen Anleitung von Delia Creates.
Wobei Anleitung es natürlich nur so halb trifft - eher so Hinweise.
Ich habe bisher zwei Versionen genäht, die beide nur so halb super sind.
Bei der ersten Version in braun habe ich mich ganz genau an die Anleitung gehalten, aber es sieht merkwürdig aus, wenn die Naht außen liegt, das Füttern der Schuhe mit Filz/gefilzter Wolle war meines Erachtens auch nicht nötig und für die korrekte Platzierung der Ösen für die Schuhlöcher gibt es auch keine Markierung.
Bei der zweiten Version in blau musste ich zudem die Schuhgröße ändern. Ich habe dazu eine andere Puschenanleitung genommen und die Sohle in der richtigen Größe gewählt. Man kann natürlich auch einfach um einen ruhig stehenden (hahahahahah) Babyfuß herummalen. Und dann habe ich das zweite Schnittmusterteil in der Mitte auseinandergeschnitten und um ca 4 cm verlängert.
Auf der Sohle habe ich markiert: a) die vordere und hintere Mitte sowie b) den Beginn und die seitliche Mitte. Dann wird es beim dreidimensionalen Stecken und Nähen etwas einfacher.
Die rauhe Seite der Sohle soll aussen sein. Den Rest des Schuhes wollte ich in Glattleder. Man muss sich vorher merken, was jeweils die "rechte" und was die "linke" Seite werden soll - Hauptsache, man hat je zwei gegengleich Teile.
Leder kann man nicht gut mit Stecknadeln heften - zum einen ist das oft dick und mühsam, zum anderen bleiben die Löcher sichtbar. Besser sind solche Klammern. Wäscheklammern gehen auch.
Man beginnt am Start: Die Sohle hat auf der inneren Mitte eine Markierung, die der unteren Kante des "Hakens" entspricht. Dann einmal rundherum, bis der gerade Teil den Anfang um etwa 2 cm überlappt. Bei der Sohle liegt die rauhe Seite oben, beim zweiten Schnittteil auch.
Mit Ledernadel und Lederfüßchen einmal rundherum steppen. Langsam in den Kurven, dann wird das auch was. (Bei meinem linken Schuh ist die Ferse leider zu eng geworden. Das sitzt ganz schlecht.) Naht zurückschneiden und wenden.
Für den zweiten Fuß wiederholen und schon sehr zufrieden sein.  Allerdings klafft die Öffnung doch sehr auf, was dazu führt, dass der Schuh sofort vom Fuß rutscht (oder gezogen wird). Als Befestigung muss man sich irgendwie an den gegenüberligenden Fußrückenteilen zwei Punkte markieren und Ösen durchjagen.
Mein Schnürsenkel ist aus Elastikband und etwas frickelig am Anfang und Ende festgesteppt.
Mit diesem zweiten Paar bin ich schon relativ zufrieden. Wie gesagt, die linke Ferse ist zu schmal, der ganze Schuh ist dadurch zu eng und passt nicht gut - eigentlich müsste ich das nochmal machen.

Aber - natürlich trägt Junior ohnehin nie Schuhe. Im Haus maximal Stoppersocken (auch die sind eine Zumutung). Und für das reale Herbstwetter da draußen gab es neulich die ersten "richtigen" Lauflernschuhe. Mit Sohle und allem drum und dran.
Ich glaube, wir müssen bald einen Kredit aufnehmen.

Donnerstag, 5. Oktober 2017

FO und Fazit: Lavandin Pullover in petrol.

Ein Pullover ist fertig geworden, ganz neu und frisch von den Nadeln...
Mit Einbruch des Herbstes, also irgendwann Anfang August, fiel mir wieder einmal auf, dass Junior wächst wie Unkraut, der Sommer wohl dieses Jahr nicht mehr kommen würde, und das arme Kind nur einen einzigen warmen Wollpullover im Schrank hat. Skandal!
Gut, da sind noch einige Pullunder, und Genscher passt auch noch sehr gut, aber der warme Winterpullunder wird eindeutig zu kurz, und man braucht ja auch was mit Ärmeln.
selbst wenn das Bündchen nicht hochklappen würde (grrr), wäre das zu kurz
Der rote Laurits war zu diesem Zeitpunkt der einzige Wollpullover. Inzwischen ist ja auch der grüne Laurits hier wieder angekommen, und wird fleißig getragen. Aber das wusste ich Anfang August noch nicht, und so entschloss ich mich zur Adaption eines hübschen, klassischen Pullovers aus meiner geschätzten Bouton d'Or No 14. Auch wenn diese Zeitschrift inzwischen gute 10-12 Jahre alt ist, sind die meisten Modelle so klassisch, dass sie im wahrsten Sinne des Wortes zeitlos sind.
Hier jedenfalls wollte ich mich an einem einfachen Zopfpullover des Themas "Lavandin" versuchen.
Und natürlich alles Klimbim weglassen - was soll das mit den drei Farben? Kann man machen, wenn einem das Garn ausgeht, sieht dann aber nicht besser aus.
Als Garn wollte ich wieder die Merinowolle von Fairalpaka verwenden, ein wirklich schönes Garn, weich und günstig. Zufällig *hust* hatte ich 300g in "Deep Ocean" - einem dunklen, leuchtenden Petrol - im Stash.
Da dieses Garn etwas dünner ist als das Original, musste ich umrechnen, aber glücklicherweise lagen ja dank der Lauritse genügend aussagekräftige Maschenproben vor. Und auch für die anderen geplanten Änderungen fühlte ich mich inzwischen erfahren genug. Es konnte also losgehen.
Das Muster:
Der Pullover "Lavandin" ist ein klassischer Aran-Pullover - Rundhals, mit einem schönen, keltischem Zopf auf der Brust und eingesetzten Ärmeln.
Wenn das Muster einmal richtig aufgesetzt ist, ist das nicht schwer, ein:e Anfänger:in kann das als erstes Zopfprojekt gut nehmen. Der Pullover wird flach in Teilen gestrickt und am Schluss zusammengenäht, was ich nicht schlimm finde (es gibt ja Menschen, die das hassen). Mich stören die Nähte nicht, und bei Zöpfen mag ich es, dass die Rückreihen in der Regel dumpfes Strick-was-kommt Reihen sind.
Technik:
Der Großteil des Pullovers ist glatt rechts, aber natürlich gibt es gerichtete Abnahmen und einfache Zöpfe. Es hilft, wenn man ohne Zopfnadel zopfen kann, das ist nicht schwer und wird in zahlreichen Videotutorials erklärt.
Die Wolle:
Das fairalpaka Merino-Garn gibt es bisher nur in der Stärke DK, also etwa 120m/50g. Die Farben sind alle babysicher mit ÖkoTex 100 zertifiziert und garantiert mulesing-free (also ohne Tierquälerei). Es wird nur online im 300g Gebinde verkauft, aber das passt für einen Kinderpullover ja ganz gut, und die Reste kann man bei Ravelry oder Facebook tauschen. Dafür ist der Preis unglaublich günstig. Die Farbe kommt übrigens auf keinem der Fotos auch nur annähernd rüber. Sorry. Glaubt mir, dass sie wunderbar leuchtet.
Änderungen:
Da mein Garn aber dünner war als vorgesehen, musste ich mehr Maschen aufnehmen und brauchte etwas, um den Zopf schön zu zentrieren. Im Nachhinein hätte ich die zu verzopfenden Rippen wahrscheinlich auch 3M breit machen sollen, damit das Muster weiterhin etwa ein Drittel der Fläche einnimmt - bei mir sind es höchstens 25% - aber hey - irgendwas ist ja immer.
Ich habe die linke Schulternaht offen gelassen, falls der Kinderkopf zu dick ist, und mit einem einfachen Jersey-Druckknopf verschlossen.
Die Ärmel sind von oben eingestrickt, weil ich mir die Umrechnerei mit der Armkugel nicht antun wollte, und weil es immer besser ist, wenn man (wie auch hier geschehen) doch noch ein paar Zentimeter Ärmellänge anstricken will.
Dazu merken: rund um das Armloch nur jede zweite Masche aufnehmen, und dann mit short rows bis zur Achsel die Armkugel einstricken. Dann entweder in Runden, oder wie ich in Reihen fertig stricken (Nahtmaschen nicht vergessen). 
Mit der nachträglichen Verlängerung der Ärmel bin ich richtig unzufrieden, und vielleicht ändere ich das auch noch einmal. Tatsächlich habe ich meinen eigenen Berechnungen nicht geglaubt, sonst hätte ich von vorneherein 10 Bündchenreihen mehr gestrickt. Grmpf. Wenn man keine Lust hat, die Abkettkante wieder ordentlich aufzudröseln, dann sieht das halt sch...lecht aus.
Naja. Umgeklappt geht's halbwegs, und am Kind sieht es ohnehin keiner. Dazu müsste er ja stillsitzen. Merkste selbst.
Schön finde ich, wie das Muster aus den Rippen wächst, auch wenn das heißt, dass man schon beim Aufsetzen des Rippenmusters höllisch aufpassen muss. Leider habe ich beim ersten Mustersatz die Strickschrift falsch gelesen, und zwei Reihen zu spät verzopft, aber das habe ich jetzt als Designelement akzeptiert.

Was mir bei der Anleitung nicht so gut gefallen hat, waren die Abnahmen an den Armlöchern. Drei Maschen vom Rand entfernt ist vielleicht doch etwas übertrieben, das würde ich nicht wieder machen. Und vielleicht liegt es an meiner Umrechnerei, aber nächstes Mal würde ich die Abnahmen über mehr Reihen strecken, statt 3 zusammenzustricken. Das sieht knubbelig aus.
Und mein Halsauschnitt ist zu weit abgekettet und sieht ausgeleiert aus. Aber von diesen Kleinigkeiten mal abgesehen - ein sehr schöner Pullover, der hoffentlich zwei Winter (und den Sommer dazwischen, wenn das so bleibt) gute Dienste leisten wird. 
Junior kann sehr wohl stillsitzen. Dann werden bloß die Fotos nicht schön..

Die harten Fakten:
"Pullover Lavandin" aus der Bouton d'Or No14 (vergriffen)
angefangen:  11. August 2017
fertiggestellt:  19. September 2017
Garn:  fairAlpaka Baby Merino 120 Superwash  (deep ocean heather)
verbraucht: 247 g
Größe/Maße:
Brustweite:  34 cm
Saum bis Achsel:  24 cm
Saum bis Schulter: 39 cm
Halsweite:  13 cm
Ärmel bis Achsel: 22 cm
 Laut Anleitung soll das einem vierjährigen Kind passen. Meinem anderthalbjährigen ist es zwar noch etwas zu groß, aber nun ja. Ich schätze das Ergebnis auf eine bequem-weite 98.
Passt schon, und hoffentlich noch länger
Nadeln: fest gestrickt mit 3mm Chiaogoo Lace Nadeln. 
Maschenprobe:
etwa 27 M auf 40 R = 10x10 cm
weiteres Material: Stopfnadel/dicke Sticknadel zum Vernähen, ein Jerseydruckknopf
Kosten: etwa 3,60 Euro pro Knäuel Wolle - ca. 18 Euro







Freitag, 22. September 2017

Laurits und Genscher reloaded.

Der braun-grüne Laurits, den der kleine große Cousin im März zum Geburtstag bekommen hat, passt ihm nicht mehr. Zum einen ist er wohl etwas breiter im Brustkorb als Junior, zum anderen ist er eben auch minimal aber ausschlaggebend acht Wochen älter. Und nicht nur warmblütiger als wir, sondern auch in wärmeren Gefilden wohnhaft, sodass er nicht viel getragen wurde.
Kurzum, wir haben den Pullover gerade rechtzeitig zum Herbstbeginn zurückgeerbt
und somit gibt es jetzt Tragefotos.
Wie man sieht, passt er mit Größe 86 ganz genau, ist aber tatsächlich deutlich schmaler geschnitten als unsere rot-graue Version, die ich deshalb als 86-92 einstufen würde.Wobei dafür die Arme vielleicht nicht lang genug sind. Wir werden sehen.
Vielleicht sollten wir der Fairness halber diese seinem Cousin zum Tausch anbieten?

Als Kontrast zum Baby-Outfit des letzten Posts gibt es jetzt noch einen Beweis dafür, wie sehr die Kleinen schon den späteren Erwachsenen durchblicken lassen - unabhängig, aber durchaus unterstützt durch die Kleidung.
Vielleicht wird hier jemand mal Außenminister?
Der "Genscher"-Pullunder ist jedenfalls eine solide 86, sitzt inzwischen tadellos, und wird, da ohne Ärmel, sicher den Winter über passen.
Wie gut, dass ich "vorgearbeitet" habe!

(Und sobald das neueste Werk geblockt, getrocknet und mit Knöpfen versehen ist, zeige ich Euch, was Junior spätestens nächstes Jahr passen wird.)





Mittwoch, 20. September 2017

FO und Fazit: Zweimal Strampelina, Sommer und Herbst.

Während ich mich so durch die Schnittmuster von Schnabelina nähe, bin ich zunehmend begeistert von ihren detaillierten Anleitungen und den gut sitzenden Schnitten. Und da sie diese für ihre eigenen Kinder entwirft (2 Mädchen, 1 Junge), hat sie auch Schnittmuster für beiderlei Geschlechter. Oder es gibt es die Möglichkeit, selbst augenscheinlich "gegenderte" Schnitte in Unisex-Schnitte zu verwandeln, oder sie sonstwie für beide Geschlechter passend zu machen. (Womit ich sagen will: es gibt sehr viel weniger schöne Jungs-Schnitte. Aber so ist die Mode-Industrie, das gilt ja auch für die Großen.) Und dann auch noch alles kostenlos!

Nehmen wir "Strampelina", ein Strampelanzug/Einteiler, den sie für ihre jüngste Tochter entworfen hat. Wäre er zwei Jahre eher "auf dem Markt" gewesen, hätte ich ihn wahrscheinlich für Mini-Junior in den kleineren Größen auch schon genäht. So sind wir jetzt schon bei der letzten und größten Größe angelangt (von 56 bis 92). Das passt schon, denn irgendwann ist das Baby eben kein Baby mehr, sondern ein Kleinkind, und dann werden Einteiler zunehmend unpraktisch.

"Strampelina" hat einen hohen Rücken und Rundhalsausschnitt und wird mit Knöpfen oder Drückern nur an den Schultern geschlossen. An die Brustpasse ist eine weite, knielange Pumphose angesetzt, die gekräuselt, mit kurzem oder knöchellangem Bündchen gearbeitet werden kann. Sie kann (gerade in den kleinen Größen) aus elastischen Sweat- oder Jerseystoffen genäht werden, funktioniert aber (für Größere?) auch mit Webware - dann einfach eine Größe weiter nähen. Meine beiden Versionen sind jeweils in Größe 92, Junior trug sie im Sommer mit Größe 80 bzw. jetzt mit Größe 86.

Meine erste Version entstand als leichter Sommer-Spielanzug aus einem alten Herrenhemd, ein bewusstes upcyclen und integrieren von Elementen inklusive.
Die Hemdtasche wurde zur hinteren Hosentasche, 

die Knopfleiste findet sich an den Hosenbeinen

und im Verschluss.
Die Naht an der Passe war mir irgendwie mißglückt, daher habe ich ein Webband darüber genäht.
Die Beine habe ich einfach nur gesäumt. Sie sind sehr weit, aber da sie nur halblang sind, konnte er sich nicht allzusehr darin verheddern.

Die zweite Version ist für kühlere Temperaturen ausgelegt und aus dunkelblauem Feincord mit Stretchanteil. Hier habe ich für den rechten Knickerbockerlook mit schmalen, etwa 2,5cm breiten Bündchen abgeschlossen und sicherheitshalber eine Knopfleiste im Schritt eingebaut, aber eigentlich war das gar nicht nötig. Die Passe habe ich mit einem Ringeljersey gefüttert.
Der einzige Schmuck sind Aufnäher, die es letztes Jahr bei Tchibo gab: auf der Brust eine Piratenmöwe, am linken Knie ein Seepferdchen
und auf den -improvisierten- hinteren Po-Taschen
ein Wal und eine Krabbe. Erst aufgebügelt, dann angenäht - Zickzack auf 1,5mm, Stichlänge auf 0,2, und dann langsam, sehr langsam... Alle Nähte sind von rechts noch einmal füßchenbreit abgesteppt, die Knöpfe sind dunkelblaue Kamsnaps, die bombenfest sitzen.
Das ganze ist vielleicht etwas "babyhafter" als die Sachen, die ich sonst so nähe, aber wahnsinnig süß und vor allem bequem. Durch den leichten Stretch-Anteil geht auch das Ausziehen zum Wickeln schnell und gut. Mit Strumpfhosen und einem langärmligen Body - noch niedlicher finde ich etwas mit Kragen - ist das aktive (noch) Krabbelkind so auch in der kalten Jahreszeit gut angezogen, kann sich gut bewegen und behält warme Nieren, da nichts hochrutschen kann.
Ich denke, davon nähe ich noch eine zweite Version.

Sonntag, 20. August 2017

Tasche nähen. FO und Fazit: Schnabelina Bag.

Nachdem die graue Arya-Tasche recht bald schon weiterverschenkt war, dachte ich lange über eine Alternative nach. Nochmal nähen möchte ich sie schon, aber zweimal gleich ist doof. Außerdem ist der graue Stoff ausverkauft und nur noch in einem (tollen) gelbstichigen Grün da gewesen. Und dazu fehlt mir noch der passende Futterstoff. Das riecht alles farblich nach Herbst, das kann ich jetzt nicht. Das dauert noch.

Stattdessen habe ich mich an die unter der Nähnetzgemeinde schon bewährte Schnabelina Bag gemacht. Das Schnittmuster ist kostenlos, sehr gut und ausführlich bebildert und erklärt, und die Tasche gibt es in vier Größen von "normal" (xs) bis "Sommerurlaub" (xl). Ich habe mich für "Small" entschieden und bekomme problemlos einen DinA4-Block hinein, angeblich passt sogar ein Aktenordner. Die Tasche eignet sich gut für wilden Mustermix und Getüddel - aber das ist mir im Alltag einfach zu bunt. Ich bin ja keine vierzehn mehr. Daher überlegte ich lange hin und her, wie ich meine Stöffchen "zähmen" könnte.

Ich hatte nämlich - ursprünglich für ein ganz anderes Projekt und daher auch in viel zu geringen Mengen - jeweils 30 cm (statt der geforderten 60 cm) aus der Gütermann Serie Long Island (Rhomb blau und den mit den Vögeln und Insekten) hier liegen. Als Futterstoff erwarb ich noch einen Meter "Sterne" aus der gleichen Serie dazu. Und auf einmal hatte ich rosa Reißverschlüsse, pinkes Gurtband und war dabei, völlig gegen mein normales Farbschema auch noch rosa Paspelband zu nähen... Um etwas Ruhe hineinzubringen und die Tasche etwas eleganter zu machen, habe ich Flicken und Taschen aus dunkelblauem Wildleder hinzugefügt.

Was soll ich sagen - mir gefällt es! Auch wenn die Nähmaschine mit teils vier Lagen Leder doch ordentlich zu kämpfen hatte...
Ich habe den tollen "Zip-It"-Einsatz für das Seitenteil genäht, mit dem sich die ohnehin geräumige Tasche noch einmal vergrößern lässt,...
...und die beiden aufgesetzten Taschen außen.
Innen hat die Tasche nur eine große Reißverschlussinnentasche, das reicht, sonst verheddere ich mich bloß. Was fehlt ist eine Halterung für einen Kugelschreiber. Der wohnt jetzt in der Innentasche, aber nuja. Das ist ungewohnt und unpraktisch.
Den rosa Reißverschluss für Verschluss oben
(muss sein, wegen Taschendieben, neugierigen Babies und persönlicher Schusseligkeit - sonst fällt doch dauernd alles raus!) und Seitenteil hatte ich noch von der Taschennähaktion 2015 übrig. Die Paspel habe ich selbst genäht -ich liebe Paspeln ja. Wirkt gleich alles viel professioneller. Das Gurtband ist neu, und mit 75 cm pro Griff ebenfalls lang genug für bequemes Tragen und über den Kinderwagen hängen. Die Stoffe zu stückeln hat einige Nerven gekostet, aber es ist mir, finde ich, ganz gut geglückt.
Taschenfutter blitzt
hinter der Tasche noch eine Tasche. Sehr praktisch
Innenfutter, Innentasche und alle sichtbaren Taschenfutter sind aus dem Sternchenstoff - davon ist auch noch etwas da.
Der Meinige findet das alles zu mädchenhaft, zu pink und zu bunt. Ich weiß, was er meint, aber das ist mir egal.
Vielleicht mache ich sie noch mal ganz unbunt?

Übrigens habe ich für den Stand diesmal kein aufbügelbares Vlies genommen, sondern Polstervlies, genauer: 3mm starken kaschierten Schaumstoff mit Jersey, den ich aufgenäht statt aufgebügelt habe. Bei 160 cm Breite ist der Preis nicht zu toppen im Vergleich zum Bügelvlies, es ist unwahrscheinlich viel übrig und es gibt einen viel schöneren, festeren Stand. Wenn man kein Problem damit hat, dass das Vlies bis in die Nahtzugabe reicht, wo ich es mit Zickzack festgenäht habe, ist das jedenfalls eine tolle Alternative für alles, was ein bisschen Stand benötigt.

Ach ja, was ich noch sagen wollte: ich weiß, das ist schon die zweite Tasche mit Gütermann Stoffen. Ich kriege dafür nix geschenkt, ich habe die Stoffe gekauft, weil sie mir gefallen, und ich nenne die Marke hier, weil ich mich oft auf Bildern in Stoffe verliebe und dann nie weiß, was es ist und wo man das auch kaufen kann. Nix Werbung, nix affiliate, leider.